Ergebnisse einer Befragung von Azubis aus dem Ausbildungscluster Zukunftsmacher Lausitz.
Drei von vier Azubis würden gern bei ihrem Ausbildungsbetrieb bleiben, wenn sie ein Übernahmeangebot bekommen. Mehr als die Hälfte sieht ihre berufliche Zukunft sogar langfristig im Unternehmen. Die gute Nachricht für die Lausitzer Wirtschaft lautet also: Viele junge Fachkräfte wollen bleiben.
Doch was entscheidet darüber, ob aus dieser grundsätzlichen Bereitschaft tatsächlich eine langfristige Bindung wird? Dieser Frage ging eine studentische Befragung von 72 Auszubildenden aus gewerblich-technischen, handwerklichen und kaufmännischen Berufen in der sächsischen und brandenburgischen Lausitz nach. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Nicht allein das Gehalt entscheidet über den Verbleib, sondern vor allem Wertschätzung, Unterstützung und echte Perspektiven.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Die Ergebnisse zeigen zunächst ein positives Bild:
- 72 % der Befragten würden ein Übernahmeangebot ihres Ausbildungsbetriebs annehmen.
- 53 % sehen ihre berufliche Zukunft langfristig im Unternehmen.
- Gleichzeitig können sich 22 % vorstellen, nach der Ausbildung zu einem anderen Unternehmen zu wechseln.
Die Zahlen machen deutlich: Viele Auszubildende sind grundsätzlich bereit zu bleiben. Gleichzeitig besteht bei einem Teil der Nachwuchskräfte Wechselbereitschaft – und damit Handlungsbedarf für Unternehmen.
Emotionale Bindung macht den Unterschied
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der enge Zusammenhang zwischen der emotionalen Bindung an den Ausbildungsbetrieb und der Bereitschaft, nach der Ausbildung im Unternehmen zu bleiben.
Auszubildende, die sich mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen, sich als Teil des Teams erleben und gerne dort arbeiten, äußern deutlich häufiger den Wunsch, auch langfristig zu bleiben.
Besonders interessant: Diese emotionale Bindung entsteht nicht zufällig. Sie wird maßgeblich dadurch beeinflusst, wie stark sich Auszubildende von ihrem Unternehmen unterstützt und wertgeschätzt fühlen.
Wertschätzung und Unterstützung wirken
Die Befragung zeigt, dass Auszubildende, die sich ernst genommen, unterstützt und gefördert fühlen, eine deutlich stärkere Bindung an ihren Ausbildungsbetrieb entwickeln.
Besonders wichtig sind dabei:
- Unterstützung durch Ausbilder und Führungskräfte
- Regelmäßiges und hilfreiches Feedback
- Positive Erfahrungen während der Ausbildung
- Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven
- Handlungsspielräume und Vertrauen
Die Ergebnisse verdeutlichen: Nachwuchsbindung beginnt nicht erst mit dem Arbeitsvertrag nach der Ausbildung, sondern bereits während der Ausbildungszeit.
Was wünschen sich Auszubildende konkret?
Zusätzlich hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Wünsche in eigenen Worten zu formulieren. Dabei kristallisierten sich fünf zentrale Themen heraus:
- Übernahme- und Zukunftsperspektiven (33 %)
- Gute Arbeitsbedingungen und passende Aufgaben (33 %)
- Attraktive Vergütung (28 %)
- Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten (22 %)
- Wertschätzung und ein positives Arbeitsklima (13 %)
Die Antworten zeigen, dass finanzielle Aspekte zwar wichtig sind, jedoch nicht allein über den Verbleib entscheiden. Ebenso entscheidend sind Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und das Gefühl, geschätzt zu werden.
Was können Unternehmen daraus mitnehmen?
Die Ergebnisse legen nahe, dass erfolgreiche Nachwuchsbindung auf mehreren Bausteinen basiert:
- Wertschätzung im Arbeitsalltag sichtbar machen
- Auszubildende aktiv ins Unternehmen einbinden
- Regelmäßig Feedback geben und Gespräche führen
- Frühzeitig über Übernahme- und Entwicklungsmöglichkeiten sprechen
- Individuelle Weiterbildung fördern
Gerade diese Faktoren lassen sich häufig mit überschaubarem Aufwand umsetzen und können einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung leisten.
Fazit
Die Befragung macht deutlich: Fachkräftebindung beginnt nicht nach der Ausbildung, sondern bereits währenddessen.
Wer Auszubildenden Wertschätzung, Unterstützung und echte Perspektiven bietet, schafft die Grundlage für eine starke emotionale Bindung und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Fachkräfte von morgen auch morgen noch im Unternehmen sind.
Ein herzliches Dankeschön gilt unseren Clusterunternehmen, die die Durchführung der Befragung unterstützt und ihren Auszubildenden die Teilnahme ermöglicht haben.
Auswertung_Azubibefragung_Bleibeperspektiven
Untersuchung und Ergebnisse: Nele Schaffer

