Zu Besuch bei der Zemmler Siebanlagen GmbH in Massen bei Finsterwalde. Das Unternehmen entwickelt und baut mobile Siebanlagen, die weltweit im Einsatz sind. Die innovativen Doppeltrommel-Siebanlagen trennen Material in drei Fraktionen gleichzeitig. Wo sonst mehrere Maschinen oder externe Aufbereiter nötig wären, erledigt eine Anlage den Job in einem Durchgang. Genau darin liegt die Nische, in der Zemmler stark ist, erklärt uns Prokuristin Nancy Otto.

Ursprünglich kommt diese Technik aus der Bodenaufbereitung. Durch immer strengere Recyclingvorgaben ist das Einsatzfeld deutlich gewachsen: Oberboden, Kabelsand, Kies oder Schotter gehören ebenso dazu wie Bauschutt, Glas, Gips oder Schlacke. Auch Biomasse, Hackschnitzel, Ersatzbrennstoffe oder Abfall lassen sich aufbereiten. Selbst ganz neue Anwendungsfelder entstehen, etwa bei der Sanierung und Pflege von Reitplätzen, wo exakt definierte Trennschnitte entscheidend sind.

Von der Garagengründung zum internationalen Player

Die Geschichte von Zemmler beginnt im Jahr 2000 in einer Garage. Dort handelt Gründer Heiko Zemmler mit gebrauchten Siebanlagen. Ein Jahr später entwickelt er gemeinsam mit einem dänischen Hersteller eine neue Doppeltrommelsiebanlage und übernimmt Service und Vertrieb. Nachdem die Produktion in Dänemark eingestellt wurde, kauft er ein stillgelegtes Betonwerk in Großräschen und übernimmt 2007 mit drei Mitarbeitern die komplette Produktion der Siebanlagen. Es folgt ein stetiges Wachstum. 2016 zieht Zemmler ins Industriegebiet Massen mit 38 Beschäftigten. 

Zwei Jahre später wird das Unternehmen Teil einer Konzernstruktur, die heute unter dem Namen LIG firmiert und seit 2024 alleiniger Gesellschafter ist. Trotz dieser Konzernanbindung agiert Zemmler weiterhin mittelständisch: Entscheidungen werden vor Ort getroffen, Wege sind kurz, die Zusammenarbeit direkt. Die Gruppe wirkt im Hintergrund unterstützend – etwa bei Entwicklungsthemen, Messeauftritten oder durch den Austausch mit anderen Unternehmen.

Ausbildung mit technischer Vielfalt

Heute arbeiten 63 Menschen bei der Zemmler Siebanlagen GmbH. Das Unternehmen bildet gezielt für den eigenen Bedarf aus. Im Jahr 2025 ist eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker, gestartet. 2026 soll ein weiterer Azubi eingestellt werden. Damit die Ausbildung gelingt, wird Wert auf ein qualifiziertes Team gelegt, das die Sprache der Jugendlichen spricht. Deshalb macht der 22jährige Jonas Raspe aktuell seinen Ausbilderschein.

Ein großer Vorteil für Auszubildende ist die Wertschöpfung im eigenen Haus. Vom ersten Zuschnitt über Schweißarbeiten bis zur Montage erleben sie, wie aus Einzelteilen komplette Maschinen entstehn. Fünf verschiedene Siebanlagen werden bei Zemmler gebaut. Von 3,5 bis 24 Tonnen. Die größte Anlage leistet bis zu 180m3 und hat eine Siebfläche von 63m2.

Die Ausbildung wird im Verbund organisiert: Ein Teil der Inhalte findet direkt bei Zemmler statt, spezielle Schweiß- und Metallbearbeitungsverfahren werden über den TÜV in Brieske vermittelt. Die Berufsschule befindet sich in Lauchhammer. Die Wege sind nicht immer kurz, dafür ist die Ausbildung fachlich breit aufgestellt. Und die Perspektiven nach der Ausbildung stimmen.

Bock und Geschick sind gefragt

Entscheidend bei der Auswahl sind für Personalerin Manja Pötzsch weniger perfekte Schulnoten als handwerkliches Geschick, Interesse und Engagement. „Was nutzt mir jemand, der zwar perfekt Sinus und Cosinus berechnet, aber zwei linke Hände hat und sich nicht schmutzig machen will?“ Ob man zu Zemmler passt, bekommt man am besten bei einem Praktikum raus. Das Unternehmen ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen realistischen Einblick in den Arbeitsalltag. Sie arbeiten direkt in der Produktion mit statt nur am Rand zu stehen.

Unser Team war vom Besuch bei Zemmler in Massen begeistert. Der anpackende, konkrete Ansatz passt perfekt zu unserem Cluster. Wir freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Schritte.